Goldaper Heimattreffen in Stade im Zeichen von Krieg und Frieden
Landrat Kai Seefried würdigt die Friedensarbeit der Kreisgemeinschaft, Pastorin Ann-Kathrin Hamsch setzt den Bibelvers „Selig sind die, die Frieden stiften“ in den Mittelpunkt

Gedanken zu Krieg und Frieden haben das Goldaper Heimattreffen in Stade geprägt. Beim traditionellen Treffen an der Feierstunde am Elch in den Stader Wallanlagen würdigte Landrat Kai Seefried das Engagement der Kreisgemeinschaft und sprach von „aktiver Arbeit für den Frieden“. Nachdenkliche Reden und persönliche Erinnerungen bestimmten die Veranstaltung.
Pastorin Ann-Kathrin Hamsch eröffnete die Feierstunde mit einem geistlichen Wort. Sie stellte einen Bibelvers aus dem Matthäus-Evangelium in den Mittelpunkt: „Selig sind die, die Frieden stiften“. Mit Blick auf das Wirken der Kreisgemeinschaft Goldap betonte sie den Wert von Zeitzeugenberichten. Es gebe immer weniger Menschen, die von Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg aus eigener Erfahrung erzählen könnten. Die Pastorin verwies zudem auf die aktuelle Bedeutung der Friedensfrage und sagte, der Ukraine-Krieg habe „für uns alle vieles verändert“.
Seit mehr als 60 Jahren richtet die Kreisgemeinschaft Goldap die Feierstunde ihres Heimattreffens am Gedenkstein ihrer Vorgänger aus, wie Kreisvertreter Stephan Grigat erklärte. Er berichtete außerdem vom Sommerfest am „Haus der Heimat“, dem Begegnungs- und Kulturzentrum der Kreisgemeinschaft in Goldap. Dort habe es in diesem Jahr erstmals den Versuch polnischer Nationalisten gegeben, das Fest zu stören. Die Reaktion darauf sei eine Welle der Solidarität gewesen. Grigat hob hervor, dass die Goldaper Zivilgesellschaft die Kreisgemeinschaft unterstütze und Goldap „nicht nur Vergangenheit – sondern auch Zukunft“ sei.
Im Namen der Patenschaftsträger Hansestadt und Landkreis Stade erinnerte Landrat Seefried daran, dass Heimat mehr sei als ein Ort. Er verwies auf den Besuch einer Stader Delegation in Goldap im vergangenen Jahr und schilderte die Lage an der Grenze Polens, Litauens und Russlands, wo im Zusammenhang mit der russischen Aggression massive Sicherheitsanlagen errichtet worden seien. Europa stehe für demokratische Rechtsstaaten und für Respekt und Toleranz, sagte Seefried.
Der Landrat lobte auch die Arbeit der Kreisgemeinschaft im Patenschaftsmuseum an der Harsefelder Straße in Stade. Die ehrenamtlichen Museumsleiter Annelies und Gerhard Trucewitz leisteten dort Herausragendes. Neue Interviews mit Zeitzeugen seien bereits als Video verfügbar, ein virtueller Rundgang durch das Museum solle noch in diesem Jahr online gestellt werden.
Als Festredner sprach Klaus Mika, Vorsitzender des Vorstandes der Ostpreußischen Kulturstiftung. Er beklagte ein aus seiner Sicht großes Maß an Geschichtsvergessenheit in der Gesellschaft und verwies darauf, dass zugleich die Zahl der Zeitzeugen abnehme. Nachgiebigkeit gegenüber Despoten habe in der Geschichte noch nie zu einer besseren Entwicklung geführt, sagte Mika. Den Patenkreisen komme eine wichtige Rolle zu, gegen das Vergessen zu arbeiten.
Für den musikalischen Rahmen sorgte der Posaunenchor der Stader Johanniskirche.
Hintergrund
Das Patenschaftsmuseum „Goldap in Ostpreußen“ zeigt eine umfangreiche Sammlung zur 400-jährigen Geschichte sowie zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben im Kreis Goldap bis 1945. Die erweiterte Ausstellung „Goldap und Stade nach 1945“ dokumentiert die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland in der Nachkriegszeit bis zum Beitritt Polens zur EU am Beispiel von Goldap und Stade.
Die Bibliothek mit Schwerpunkt Ostpreußen und deutsche Geschichte ist eine Freihandbibliothek. Familienforscher finden dort umfangreiche Fachliteratur. Zeitzeugenberichte sind auf Video zu sehen.
Träger des Museums sind der Landkreis Stade und die Kreisgemeinschaft Goldap. Der Landkreis Stade hat 1952 die Patenschaft für den ostpreußischen Landkreis Goldap übernommen. Viele Menschen aus dem Kreis Goldap fanden nach den Kriegsjahren im Landkreis Stade eine neue Heimat.
Weitere Informationen im Internet: www.goldap.de
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